Die Idee zur Gründung eines eigenen Musikzuges entstand 1975 im Schützenverein Sprötze-
Kakenstorf. Der Grund war schnell gefunden: Mit den Blaskapellen, die traditionell für die
musikalische Umrahmung der Vereinsfeste sorgten, war man zunehmend unzufrieden. Manche
zeigten sich unzuverlässig – so blieb der Verein sowohl bei einer Goldenen Hochzeit als auch bei
der Beerdigung eines Schützenbruders ohne Musik.
Im April 1976 fiel auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Beschluss, einen
eigenen Musikzug aufzubauen. Dafür stellte der Verein 25.000 DM bereit. „Was in Bayern in
jedem kleinen Dorf möglich ist, muss doch auch bei uns gelingen“, dachte sich der langjährige
Präsident Werner Böhring und rief über die Presse alle Musikinteressierten auf, sich bis zum 15.
Mai 1976 bei ihm zu melden. Am Stichtag hatten sich 25 Personen eingefunden – nicht nur aus
Sprötze, auch zwei Schätzendorferinnen waren dabei.
Die erste Probe sollte nach den Sommerferien am 1. September 1976 in der Grundschule
Sprötze stattfinden. In der Zwischenzeit mussten Instrumente beschafft werden.
Glücklicherweise befanden sich der Posaunenchor Sprötze und der Feuerwehrmusikzug
Buchholz gerade in Auflösung, sodass deren Instrumente übernommen werden konnten. 17
Instrumente standen so von Beginn an zur Verfügung.
Natürlich brauchte es neben dem Instrumentarium auch gute Ausbilder. Als musikalischen
Leiter konnte man Hermann Gratzer gewinnen, einen frühpensionierten Tubisten des
Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Die theoretische Ausbildung übernahm der Leiter
der Grundschule, Erich Wendebourg. Unterstützt wurden die beiden von den Dozenten Rudi
Peters (Klarinette, Saxophon), Hermann Meyer (Klarinette) und Albrecht Schröter (Posaune).
Im Mai 1977 traf das Orchester ein schwerer Schlag: Hermann Gratzer starb plötzlich und
unerwartet an einem Herzinfarkt, noch bevor er die Früchte seiner Arbeit ernten konnte.
Übergangsweise führte Albrecht Schröter die Probenarbeit fort, bis ein Nachfolger gefunden war.
Glücklicherweise dauerte es nicht lange, bis der Trompeter und Inhaber eines Radio- und
Fernsehgeschäftes, Werner Wichern, bei einer Reparatur eines Fernsehgerätes den Hamburger
Pastor Rudolf Preuß kennenlernte – dieser erklärte sich bereit, die musikalische Leitung zu
übernehmen.
Schon zum Schützenfest 1977 wagte man sich mit dem Stück „Im schönsten Wiesengrunde“
erstmals auf die Bühne. Ziel war vor allem, den Musikern die Scheu zu nehmen, vor Publikum
aufzutreten. Doch bald zeigten sich Unstimmigkeiten in der Zusammenarbeit mit Pastor Preuß,
sodass er das Amt wieder niederlegte.
Der Zufall führte das Orchester schließlich zu seinem nächsten musikalischen Leiter: Auf dem
Trelder Schützenfest wurde man auf den jungen Profimusiker Eugen Ege aufmerksam,
Flügelhornist im Luftwaffenmusikkorps 4 Hamburg. Seine Virtuosität überzeugte sofort. Nach
zähen Verhandlungen – Ege bestand auf Einzelunterricht für alle, fundierte Theorieausbildung
und absolute Disziplin – übernahm er den Taktstock. Gemeinsam mit Werner Böhring hörte er
sich zunächst heimlich eine Probe an, um das Niveau einzuschätzen. Bald darauf stand fest:
Eugen Ege wurde der neue Dirigent. Mit seinem Engagement, seiner Professionalität und seiner
Strenge prägte er die Entwicklung des Orchesters nachhaltig. Dass diese Zusammenarbeit fast
32 Jahre andauern würde, ahnte damals niemand.
Bereits 1978 nahmen die Auftritte der Sprötzer Musiker zu. So wurde mehrere Schützenfeste,
Jubiläumsfeiern, Ehrungen, Sportveranstaltungen, Tage der OƯenen Tür oder Benefizkonzerte
musikalisch gestaltet. Man rührte weiterhin fleißig die Werbetrommel und das Orchester wuchs
schnell. Allerdings fehlten noch zwei wichtige Dinge: zum einen hatte man keinen richtigen
Namen und eine einheitliche Kleidung musste ebenfalls gefunden werden. Man entschied sich
für eine Uniform in dunkelgrün mit pink (die Farben der Heide) und mit der Taufe auf den Namen
„Blasorchester Sprötze“ wurde 1979 der Grundstein für eine feste kulturelle Institution in
Buchholz gelegt.
Schnell sprach sich die Qualität des Blasorchesters herum, sodass zu den regelmäßig
wiederkehrenden Auftritten bald die Schützenfeste in Buchholz, Kampen, Tostedt,
Todtglüsingen, Jesteburg, Winsen, der Landeskönigsball im CCH oder auch das Harburger
Vogelschießen zählten.
Zwischenzeitlich hatte das Repertoire auch einen beachtlichen Umfang angenommen. Neben
der Marschmusik fanden sich nun auch verschiedene Genres wie Oper, Klassik, Rock, Pop,
Choräle, Jazz sowie Tanzmusik in den Notenmappen der Musiker.