Das neue Jahrzehnt begann 1990 mit einem Besuch aus Hainstadt – leider zum letzten Mal.
1991 folgte dann ein ganz besonderes Ereignis: Der Musikverein Mittelbiberach aus der
schwäbischen Heimat von Dirigent Eugen Ege war erstmals in der Nordheide zu Gast.
Gemeinsam mit dem Blasorchester Sprötze wurde ein Konzert in der Sporthalle am Kattenberge
veranstaltet, bei dem auch Sängerin Karin Ploog mitwirkte. Der Erfolg war überwältigend – 1.000
Eintrittskarten waren bereits im Vorverkauf vergriffen. Neben dem erfolgreichen Konzert feierten
beide Orchester ein rauschendes Fest an Bord der „Passat“ in Travemünde. Im selben Jahr
wurde außerdem die „Empore“ eingeweiht, die sich seither als feste Konzertstätte des
Orchesters etabliert hat.
Ein ungewöhnlicher Auftrag führte das Orchester zum Jahreswechsel 1991/92 ins Fernsehen:
Eine Auswahl an Musikern sollte in einer Silvestershow mitwirken. Unter dem Motto „Wir feiern
Europa“ reisten sie per ICE nach Frankfurt, um sich dort mit weiteren Musikern zu treffen, gaben ein Platzkonzert vor der Alten Oper und flogen anschließend nach Mallorca. Dort wurde mit dem
Pianisten und damaligen Leiter des Schleswig-Holstein-Musikfestivals Justus Frantz und der
Philharmonie Warschau auf 10.000 Metern Höhe ein Konzert gespielt – ein Auftritt, der es bis ins
Guinness-Buch der Rekorde schaffte.
1992 stand das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft mit den Freunden aus Pont SainteMarie im Mittelpunkt. Neben Konzerten gehörte auch ein Besuch im neu eröffneten Disneyland
Paris zum Programm. Zudem schaffte man einen Anhänger für den Instrumententransport an,
und im Schützenhaus wurde der Dachboden durch Orchestermitglieder ausgebaut, der fortan
als Lager genutzt werden konnte.
1993 reisten die Sprötzer Musiker nach Mittelbiberach, wo erneut ein großes
Gemeinschaftskonzert mit Karin Ploog auf dem Programm stand. Den Abschluss bildete, nach
einem gelungenen Hüttenabend, ein Kirchenkonzert in der dortigen Kirche.
Eine eher kuriose Erfahrung folgte 1994: RTL engagierte das Orchester für die Serie „Entscheiden
Sie“. Hierbei sollten die Zuschauer per Anruf entscheiden, wie die Geschichte weitergehen
sollte. An einem extrem heißen Sommertag marschierten die Musiker in voller Uniform bei dem
Szenendreh „Wahlkampfveranstaltung“ als schmückendes Beiwerk immer wieder in die Empore
ein – allerdings ohne zu spielen, denn die Musik kam vom Band. Die Serie erwies sich als Flop
und wurde nach nur drei Folgen abgesetzt.
1995 besuchte das französische Partnerorchester erneut Buchholz. Zum ersten Mal fand das
Gemeinschaftskonzert in der Empore statt. Da die Bühne für beide Klangkörper zu klein war,
traten sie nacheinander auf und musizierten nur im großen Finale gemeinsam.
1997 wurde das Blasorchester Sprötze mit dem Kulturförderpreis der Stadt Buchholz
ausgezeichnet, diesmal in Höhe von 3.000 DM. Um bei besonderen Konzerten ein eleganteres
Bild abzugeben, führte man zudem eine Galaweste ein – maßgeschneidert und aus Stoff, den
ein Orchesterschlagzeuger über seinen Einzelhandelskontakt organisiert hatte.
So blickte das Orchester am Ende der 1990er Jahre auf ein ereignisreiches Jahrzehnt voller
Auftritte, Reisen, Auszeichnungen und neuer Impulse zurück.